pferdemädchen-blog

Nimm dir Zeit

Es ist verrückt, ich möchte zu Samstag so viel tolles erzählen, muss aber echt überlegen, wie ich anfangen soll. 😀

Manolito hat mir letzten Samstag wieder einmal etwas verdeutlicht und mich zum nachdenken gebracht. Es vergeht kaum ein Tag beim Pony, wo ich nicht wieder etwas mitnehme. Sei es einfach ein warmes Gefühl ums Herz oder neue Gedanken zur Bodenarbeit, oder …. hach, ich könnte es noch viel weiter ausführen.

Mein Verlobter fuhr mich zu Lito, er ist ja öfter mal beim Stall dabei, aber diesmal sagte er dem Pony kurz Hallo und fuhr dann weiter zu seiner Schwester. In etwa 2 Std. wäre er wieder am Stall. Alles klar, ich meinte noch, er kann sich Zeit lassen.

Um 9 Uhr haben wir Lito aus einer der hinteren Ecken auf der Weide eingesammelt und als wir dann durch die Herde liefen, es diesmal etwas weiter zum Gatter hatten, fühlte ich mich richtig gut. Ich sagte zu Markus, wie schön ich es finde, dass wir heute einen weiteren Weg zum Tor haben. Dieses Gefühl, durch die Pferde zu wandern, Lito ohne Zug dicht bei mir auf meiner einen Seite, Markus auf der andern und ein paar Sonnenstrahlen die uns langsam wärmten wahr zu nehmen, war einfach nur wunderschön, ich sog diesen Moment förmlich ein. Am Anbinder verabschiedete sich mein Schatz von uns und ich begann Lito zu putzen.

Als ich die ersten Bewegungen ausführte, hielt ich nochmal inne. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich ihn striegelte, weil es „notwendig“ vor der Arbeit ist. Es geht doch meist sehr schnell, denn ich möchte fix loslegen mit der Bodenarbeit, dem Ausritt oder was auch immer geplant war. Und das gab mir einen kleinen Stich. Ich möchte eine schöne Zeit mit ihm verbringen, warum nehme ich mir dann nicht viel Zeit für seine Pflege?

Ich fing an ihn ganz ausgiebig mit den Bürsten zu massieren, zu kraulen, zu kratzen und natürlich vom Sand/Dreck zu befreien. Statt „5 Minuten“ weil es nötig ist, waren wir bestimmt eine halbe Stunde ganz mit uns beschäftigt. Lito kraulte mich zurück, wenn eine Stelle besonders gut war oder zog genüsslich die Oberlippe kraus – echt niedlich. Er zeigte mir ganz deutlich, wie gut er diese intensive Putzeinheit fand und ab sofort werde ich mir bewusster viel Zeit dafür nehmen.  Denn nicht nur Lito, sondern auch mir tat diese Zeit gut und striegeln ist ja nicht nur für sauberes Fell gut, sondern auch für die Muskeln eine Massage. 🙂

Wir tigerten dann gemütlich auf den Platz, wärmten uns auf und arbeiteten anschließend am Kappzaum an der Hand. Es war eine tolle Einheit, noch immer nur im Schritt (angegriffene Sehne). Ich nahm Lito am Ende den Kappzaum ab und wir arbeiteten frei noch etwas, denn er bot es an, blieb an meiner Seite und ich habe es gerne aufgegriffen. Nach ein paar Minuten entwickelte sich in der Arbeit die Idee für einen neuen Trick (erzähl ich bald mehr zu), was auch auf Anhieb 2-3 Mal recht gut klappte … bis er sich urplötzlich weg drehte und stiften ging. Zum nächsten Grashalm. 😛
Ich merkte, ich hatte in diesem Moment meine Aufmerksamkeit nicht voll und ganz bei ihm, kann ich ihm also nicht verübeln. Als ich ihn wieder einsammeln wollte, fast bei ihm war, rannte er davon, im Galopp fröhlich einmal um den Platz… verdammt! Mein Puls schoss in die Höhe, er soll doch nicht unnötig viel galoppieren, seine Sehne… was, wenn ihm was passiert?
Ich suchte wie immer direkt die Schuld bei mir, aber ganz ehrlich, es gibt auch mal diese Momente, wo das Pferd einfach weiter grasen will. 😀

Als ich ihn über meine Körpersprache wieder zu mir eingeladen hatte, folgte er, so ein braver Bub … dann machte ich aber scheinbar doch einen Fehler. Ich wollte nochmal ein paar Minuten frei weiter machen, war ich mir doch sicher, ihn wieder zu haben. Er ging nach einigen Sekunden jedoch wieder los, auf und davon. Mir war sofort klar, dass er das tat, weil ich noch nicht wieder ganz bei mir war, zu aufgeregt von der vorherigen Situation. Schnell hatte ich ihn in einer Ecke und zog ihm erstmal den Kappzaum wieder an. Brachte Ruhe rein, vor allem in mich, am Seil fiel es mir diesmal etwas leichter! Und siehe da, wir schlossen die Einheit harmonisch ab. Nach einer kleinen Dusche übten wir dann nochmal das Ablegen, das erste Mal kam auch ein Stimmkommando dazu und nach etwas suchen lag er tatsächlich. Holte sich ihn Ruhe sein Leckerchen ab und ich war happy. 🙂

Auf der Suche nach einem Platz zum Ablegen, er folgt meiner Idee. (Die Fotos in dem Beitrag entstanden nicht letzten Samstag)

Wir haben in diesem Moment unsere innere Ruhe wieder gefunden, er lag ganz entspannt da und ich genoss den Moment.
Ich nahm ihm das Seil ab und saß dann in etwas Entfernung auf dem Platz, er stand auf, dümpelte umher, schnupperte an den Poolnudeln (die wir diesmal nicht genutzt hatten, habe sie einfach vergessen), mümmelte ein paar Grashälmchen, schnaubte 2x zufrieden und kam nach ein paar Minuten auf einmal zu mir. Senkte seinen Kopf zu mir runter und ließ sich etwas streicheln. Dann zog es ihn nochmal zum Gras, aber in meiner Nähe. Als ich ihn nach einiger Zeit ansprach, kam er zurück und auf einmal fing er an, in meinen Haaren zu schnüffeln und zu „kraulen“. Er lief nochmal etwas umher und ließ sich dann wunderbar einsammeln. Ich kann nichtmal sagen, wie viel Zeit wir in der Art verbracht haben, es war auf jeden Fall viel Zeit und einfach Seelenfutter. Wieder wurden im Anschluss die Beine gekühlt und natürlich ein bisschen was aus dem Schlauch geschlabbert, wobei der 2-Beiner natürlich konsequent auch jedes Mal geduscht wird. 😛

3 Stunden später war dann Markus auch wieder da, genau richtig, als ich von der Weide wieder runter kam und einfach nur glückseelig am lächeln war.
Seit langem habe ich mir mal wieder so richtig viel Zeit für ALLES genommen. Ich verbringe an meinem Tag viel Zeit mit Lito, so ist es nicht, aber so bewusst war es lange nicht mehr – so entspannt und auch mal mit „nichts tun“ gefüllt. Einfach die Gegenwart des anderen genießen.

Lito hat mir also mal wieder etwas gezeigt: nimm dir Zeit!

Ich habe noch lange nach den Stunden im Stall über das Erlebte nachgedacht und bin froh, dass der Tag genau so verlief.

Und mir fiel auf, dass er mir auch „feel“ (think.feel.do) nochmal näher gebracht hat, was ich vor allem im Bezug auf die Arbeit mit ihm ja als meinen Leitsatz gefunden habe. Aber ich merke, auch im Umgang ist dieser Leitsatz bei uns. Ich habe meine innere Ruhe gefühlt. Ich habe mich einfach hin gesetzt und ihn machen lassen, wir waren trotzdem sehr verbunden miteinander, ich habe los gelassen und er antwortete mit seinem Verhalten, was mich sehr berührt hat. <3

 

 

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

(c) 2017 pferdemädchen blog